WordPress Multisite: Vorteile und Nachteile
Eine Multisite spart Pflegeaufwand und kostet Flexibilität. Diese Gegenüberstellung zeigt, was ein Netzwerk wirklich bringt, wo es weh tut und wann mehrere Einzelinstallationen die bessere Entscheidung sind.
Worum es bei der Entscheidung geht
Eine WordPress Multisite bündelt mehrere Websites in einer einzigen Installation. Alle Seiten teilen sich Kern, Themes und Plugins, jede behält eigene Inhalte und ein eigenes Backend. Was Sie gewinnen, ist Pflegeaufwand. Was Sie abgeben, ist Unabhängigkeit der einzelnen Seite.
Ob sich das lohnt, hängt weniger an der Zahl der Websites als an ihrer Ähnlichkeit. Zehn Standortseiten mit gleichem Aufbau sind ein guter Fall für ein Netzwerk. Drei völlig verschiedene Kundenprojekte sind es nicht. Die Grundlagen und die Einrichtung beschreibt der Überblick zu WordPress Multisite einrichten.
Die Vorteile
Updates nur einmal
WordPress-Kern, Themes und Plugins werden im Netzwerk einmal aktualisiert und gelten sofort für alle Seiten. Bei zwanzig Einzelinstallationen ist derselbe Vorgang zwanzig Mal fällig. Das ist der Punkt, an dem sich ein Netzwerk am schnellsten rechnet.
Eine Wartung statt vieler
Backups, Monitoring, Serverpflege und Sicherheitsmaßnahmen greifen für das gesamte Netzwerk. Auch die Kosten sinken, weil Sie nur ein Hosting-Paket und meist nur eine Lizenz je Premium-Plugin brauchen. Bei Erweiterungen mit Lizenz je Domain lohnt allerdings ein Blick in die Bedingungen, nicht jeder Anbieter behandelt ein Netzwerk als eine Installation.
Gemeinsame Benutzer
Der Benutzerbestand gilt netzwerkweit. Wer auf drei Seiten schreibt, hat ein Konto und ein Passwort. Die Rolle wird je Seite vergeben. Wie die Rollen aufgebaut sind, zeigt die Übersicht zu den WordPress Benutzerrollen.
Neue Seiten in Minuten
Eine weitere Website entsteht mit wenigen Klicks in der Netzwerkverwaltung. Theme und Grundeinstellungen liegen bereits vor, es fehlen nur noch die Inhalte. Für Agenturen mit wiederkehrenden Projekten ist das der stärkste Hebel.
Die Nachteile
Ein gemeinsamer Plugin-Bestand
Was im Netzwerk nicht installiert ist, kann keine Seite nutzen. Installieren darf nur der Super-Admin. Sobald einzelne Seiten sehr unterschiedliche Anforderungen haben, wird der gemeinsame Bestand entweder zu groß oder zu eng.
Ein Ausfall trifft alle
Ein fehlerhaftes Update, ein überlastetes Hosting oder ein erfolgreicher Angriff wirkt sich auf das gesamte Netzwerk aus. Wer den Super-Admin-Zugang übernimmt, hat Zugriff auf jede Seite. Diesen Zugang abzusichern ist deshalb Pflicht, Ansatzpunkte stehen im Bereich WordPress Sicherheit.
Backups greifen zu grob
Viele Backup-Lösungen sichern das komplette Netzwerk als Einheit. Eine einzelne Seite daraus zurückzuholen, ist umständlich bis unmöglich. Prüfen Sie vor dem Aufbau, ob Ihre Backup-Lösung mit Netzwerken umgehen kann.
Eine Seite herauszulösen ist Arbeit
Soll eine Website später das Netzwerk verlassen, etwa weil ein Kunde sie übernimmt, wird es aufwendig. Der Export erfasst Inhalte, aber Einstellungen, Benutzerzuordnungen und Medienpfade müssen Sie nacharbeiten. Wenn absehbar ist, dass eine Seite abgegeben wird, gehört sie nicht ins Netzwerk.
Multisite oder mehrere Einzelinstallationen?
Die folgende Gegenüberstellung fasst zusammen, wo die beiden Ansätze auseinandergehen.
| Kriterium | Multisite | Einzelinstallationen |
|---|---|---|
| Updates | einmal für alle | je Seite |
| Plugin-Auswahl | netzwerkweit festgelegt | frei je Seite |
| Hosting-Kosten | ein Paket | je Seite |
| Ausfallrisiko | trifft alle Seiten | bleibt lokal |
| Backup je Seite | schwierig | selbstverständlich |
| Seite abgeben | aufwendig | einfache Migration |
| Benutzerkonten | gemeinsam | getrennt |
| Technisches Wissen | höher | Standard |
Als Faustregel: Je ähnlicher sich die Seiten sind und je enger sie zusammengehören, desto eher lohnt das Netzwerk. Je eigenständiger sie sind, desto teurer wird die gemeinsame Basis.
Vier Fälle aus der Praxis
Standorte
Gleiches Design, gleiche Struktur, andere Adressen und Ansprechpartner. Klarer Fall für ein Netzwerk.
Magazin mit Ressorts
Redaktionen arbeiten getrennt, teilen sich aber Layout und Autoren. Netzwerk sinnvoll.
Agentur mit Kundenseiten
Spart Wartung, birgt aber Risiko. Nur wenn keine Seite später abgegeben wird.
Shop und Blog
Sehr verschiedene Plugin-Anforderungen. Getrennte Installationen sind hier ehrlicher.
Was die Entscheidung sonst noch beeinflusst
Performance
Ein Netzwerk ist nicht automatisch langsamer. Alle Seiten teilen sich allerdings dieselben Serverressourcen. Wenn eine Seite viel Traffic zieht, spüren das die anderen. Planen Sie das Hosting deshalb nach der Summe, nicht nach dem Durchschnitt.
Anforderungen an das Hosting
Der Server muss mod_rewrite mitbringen, für die Subdomain-Variante zusätzlich einen Wildcard-Eintrag im DNS erlauben. Nicht jeder günstige Tarif tut das. Klären Sie beides beim Anbieter, bevor Sie anfangen.
Alternativen zum Netzwerk
Wenn Sie nur den Wartungsaufwand senken wollen, gibt es einen Mittelweg. Verwaltungswerkzeuge steuern mehrere getrennte WordPress-Installationen von außen und spielen Updates gebündelt ein. Sie behalten damit die Unabhängigkeit jeder Seite und verlieren nur wenig Komfort gegenüber dem echten Netzwerk.
Häufige Fragen
Wenn Ihre Websites dieselbe technische Grundlage teilen und von denselben Leuten betreut werden, ja. Sobald einzelne Seiten eigene Plugins brauchen oder später abgegeben werden sollen, überwiegen die Nachteile. Die Zahl der Seiten allein ist kein Argument.
Nicht grundsätzlich, aber die Folgen eines Vorfalls sind größer. Ein kompromittierter Super-Admin-Zugang öffnet alle Seiten gleichzeitig. Zwei-Faktor-Authentifizierung für diesen Zugang und ein enger Kreis von Super-Admins sind deshalb Pflicht.
Möglich ist es. Sie exportieren die Inhalte, richten eine eigene Installation ein und spielen sie dort ein. Einstellungen, Benutzerzuordnungen und Medienpfade müssen Sie nacharbeiten. Rechnen Sie mit deutlich mehr Aufwand als bei einem normalen Umzug.
Beim Hosting meist ja, weil ein Paket für alle Seiten reicht. Bei Premium-Plugins kommt es auf die Lizenzbedingungen an. Manche Anbieter zählen ein Netzwerk als eine Installation, andere rechnen je Domain ab. Prüfen Sie das für die Erweiterungen, auf die Sie angewiesen sind.
Eine feste Zahl gibt es nicht. Ab etwa fünf ähnlichen Websites macht sich die Ersparnis bei Updates deutlich bemerkbar. Nach oben setzt das Hosting die Grenze, weil sich alle Seiten dieselben Ressourcen teilen.
Weiterlesen
Überblick
Grundlagen und Einrichtung des Netzwerks in fünf Schritten.
Subdomains
Wildcard-DNS, Zertifikate und Seiten im Format seite.domain.de.
Verzeichnisse
Der einfachere Weg ohne DNS-Arbeit, im Format domain.de/seite/.
Unsicher, ob ein Netzwerk passt?
Wir schauen uns Ihre Websites an, rechnen den Aufwand beider Varianten durch und setzen die passende Lösung um.
